Kultur & Gesellschaft

Private Members’ Clubs in London

Max

von Max

London ist seit Jahrhunderten die Heimat einer besonderen Institution: der Private Members’ Clubs. Diese (exklusiven) Treffpunkte, in denen nur Mitglieder und deren Gäste willkommen sind, verbinden Tradition, Netzwerken und diskrete Gastfreundschaft. Ursprünglich im 18. und 19. Jahrhundert für die gesellschaftliche Elite gegründet, haben sie sich inzwischen zu einem spannenden Mix aus historischer Eleganz und modernem Lifestyle entwickelt. Man findet heute eine große Zahl an verschiedenen Clubs, die sich nach Zweck, Exklusivität, Kosten und politischer Einstellung unterscheiden.

Historische Wurzeln

Die ersten Private Members’ Clubs entstanden in der georgianischen und viktorianischen Ära. Damals boten sie Gentlemen (ausschließlich bestimmten Männerkreisen gemäß damals gängiger Definition) einen Rückzugsort zum Diskutieren, Spielen und Speisen. Bekannte Beispiele aus dieser Zeit sind White’s (gegründet 1693) und Brooks’s (1764), beide in St. James’s, die bis heute existieren und ihre strengen Aufnahmeverfahren beibehalten haben und weiterhin höchst exklusive und konservative Clubs sind. Ein Gegenentwurf.

Mit der Zeit öffneten sich die Clubs auch für Damen, vor allem ab dem 20. Jahrhundert. Heute sind viele Einrichtungen bewusst inklusiv, international ausgerichtet und bieten Mitgliedschaften für Kreative, Unternehmer und Expats an. Dazu gehört zum Beispiel der National Liberal Club, einer der älteren, traditionsreichen Clubs, der auch zunächst der liberalen Elite des Landes vorbehalten war, heute allerdings ein internationaler, inklusiver, progressiver Club ist

Diese Bilder sind aus dem National Liberal Club, dessen Einrichtung und Aufbau des Clubhauses traditionell ist und schon seit 1882 besteht. Clubs aus dieser Zeit oder auch davor haben oft diesen traditionellen Charme und versuchen diesen zu bewahren. Moderne Clubs wie das Soho House z.B. sind dahingehend ganz anders aufgebaut und eingerichtet. Jeder findet einen Club, der seinen Vorstellungen entspricht.

Moderne Ausprägungen

Während die traditionellen Clubs Wert auf Etikette, formelle Kleidung und eine ruhige Atmosphäre legen, hat sich in den letzten Jahrzehnten eine neue Generation entwickelt: trendbewusst, kreativ und oft mit Fokus auf bestimmte Branchen. Beispiele hierfür sind:

  • Soho House – gegründet 1995, mit einem klaren Fokus auf Kreativschaffende; mittlerweile global vertreten, aber die Londoner Standorte wie Shoreditch House oder Dean Street sind weiterhin Aushängeschilder.
  • The Ned – luxuriöses Hotel und Club in einem ehemaligen Bankgebäude nahe der Bank of England, bekannt für seine Vielzahl an Restaurants und Live-Musik.
  • Annabel’s – ein legendärer Mayfair-Club mit opulentem Design, berühmt für seine glamourösen Partys.

Diese modernen Clubs sind oft nicht nur Treffpunkte, sondern auch Coworking-Spaces, Wellness-Oasen und Event-Locations.

Aufnahme und Mitgliedschaft

Der Beitritt zu einem Private Members’ Club ist selten einfach. Viele verlangen eine Empfehlung durch bestehende Mitglieder, andere setzen auf Bewerbungsformulare und Interviews. Die Jahresbeiträge variieren stark – von einigen Hundert Pfund für kleinere, spezialisierte Clubs bis zu mehreren Tausend Pfund für die renommiertesten Adressen.

Manche Clubs bieten auch Under-30-Mitgliedschaften an, um jüngere Zielgruppen anzusprechen. Häufig gibt es Wartelisten, besonders bei besonders angesagten Orten.

Gleichermaßen haben viele Clubs eine nach „Distanz“ gestaffelte Mitgliedschaft bzw. Beitragssatzung, oft, neben der oben erwähnten Staffelung nach Alter, auch eine nach „Town“ (also Londoner und naher Umkreis), „Country“ (oft mindestens 30-50 Meilen Mindestentfernung von London) und „Overseas“ oder „International“ für im Ausland lebende Mitglieder

Warum sie heute so beliebt sind

Trotz der digitalen Vernetzung bleibt der Wunsch nach persönlichen, hochwertigen Begegnungen groß. Private Members’ Clubs bieten genau das:

  • Netzwerken in entspannter, aber kontrollierter Umgebung
  • Diskretion – viele Clubs verbieten das Fotografieren oder Handytelefonate in öffentlichen Räumen
  • Ambiente – von holzvertäfelten Bibliotheken bis zu Dachterrassen mit Blick auf die Themse

Gerade in London, einer Stadt, die sowohl globales Finanzzentrum als auch Kreativmetropole ist, bieten sie ein Umfeld, in dem sich berufliche und private Kontakte elegant verbinden lassen.

Die Clubs haben i.d.R. immer eine Bar und ein Restaurant, was zum Verweilen, Reden und sozialisieren einlädt. Will man etwas mehr Ruhe kann man auch in der Bibliothek oder dem Smoking room in ruhe seinen Dingen nachgehen.

Ich bin auch seit 2022 Mitglied eines Londoner Clubs, da ich gerne ein „Home from Home“ in Großbritannien habe und bin damit sehr zufrieden, auch wenn es eine jährliche Mitgliedschaftsgebühr gibt, ich den Club allerdings nicht so oft nutze.

Max

Seit vielen Jahren bereise ich Großbritannien und schätze das Land und seine Menschen. Hier will ich vor allem auf die schönen und besonderen Ecken des Landes aufmerksam machen, die nicht in jedem Reiseführer stehen.